50 Jahre Autonomie auf Madeira

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... eine goldene 50 vor meiner Kamera

Karneval mit Motto 50 Jahre Autonomie
Madeira ist schon ein bisschen älter als 50 Jahre. Zum Glück, sonst müsste man die Entdeckung der Insel noch einmal neu organisieren. 2026 feiert Madeira 50 Jahre politische Autonomie – und hier wird so ein Jubiläum nicht bloß mit Festreden begangen. Beim Karneval fuhr mir eine riesige goldene „50“ vor die Linse. Beim Blumenfest kam die Geschichte der Insel in Blüten, Kostümen und Farben zurück. Ich hatte jedenfalls mehr zu fotografieren als bei mancher offiziellen Jubiläumsfeier.

Was feiert Madeira eigentlich?

Nach der Nelkenrevolution von 1974 bekam Portugal eine neue Verfassung. Sie machte Madeira und die Azoren 1976 zu autonomen Regionen. Im Juni desselben Jahres wählten die Madeirenser erstmals ihr eigenes Regionalparlament. Seitdem gibt es auf Madeira eine gewählte Regierung, einen eigenen Haushalt und die Möglichkeit, in vielen regionalen Angelegenheiten selbst zu entscheiden.

Das klingt erst einmal nach viel Papier. Auf einer Insel mitten im Atlantik ist es aber eine ziemlich handfeste Sache: Wer hier über Verkehr, Wirtschaft, Bildung oder Tourismus entscheidet, sollte wissen, dass zwischen zwei Orten auf der Landkarte auch ein Berg stehen kann. Oder gleich drei.

Madeira gehört weiterhin zu Portugal. Die Autonomie hat klare Grenzen: Über Visa und Aufenthaltsrecht entscheidet der portugiesische Staat. Bei regionalen Gesetzen und Steuern hat Madeira dagegen eigenen Spielraum. Im Jubiläumsjahr beträgt der normale Mehrwertsteuersatz hier beispielsweise 22 Prozent statt 23 Prozent auf dem portugiesischen Festland. Das ist kein Rabattcode für den nächsten Poncha, zeigt aber, dass Selbstverwaltung bis auf den Kassenbon reichen kann.

Mehr als Blumen, Natur, Hotels und Meerblick

Auch wirtschaftlich hat die Autonomie Spuren hinterlassen. In den 1980er-Jahren entstand die sogenannte Freihandelszone, heute meist Internationales Geschäftszentrum Madeira genannt. Sie soll Unternehmen und Arbeitsplätze auf die Insel holen. Für entsprechend zugelassene Firmen gibt es unter gesetzlichen Bedingungen einen Körperschaftsteuersatz von fünf Prozent. Eine Insel, auf der jede Firma einfach steuerfrei in der Sonne sitzt, ist Madeira deshalb noch lange nicht.

In fünf Jahrzehnten hat sich viel verändert. Straßen und Tunnel verbinden Orte, für die man früher deutlich mehr Geduld brauchte. Der Tourismus ist zu einem wichtigen Teil des Insellebens geworden. Gleichzeitig wird im Regionalparlament über Fragen gestritten, die sich nicht mit einem schönen Sonnenuntergang erledigen lassen: bezahlbares Wohnen, Verkehr, öffentliche Finanzen und die Zukunft des Tourismus. Lange prägte Alberto João Jardim die Regionalpolitik; inzwischen zeigt sich die politische Debatte deutlich vielfältiger.

Stolz kann man schlecht messen. Fotografieren schon.

Ich kann natürlich nicht jedem Menschen auf Madeira ansehen, was er über 50 Jahre Autonomie denkt. Bei den Umzügen hatte ich aber oft den Eindruck, dass hier Menschen ihre eigene Geschichte feiern. Die Gruppen ziehen mit enormem Aufwand durch Funchal, Familien stehen am Straßenrand, und irgendwo zwischen Kostümfedern, Blumen und Applaus wird aus einem politischen Jubiläum etwas sehr Persönliches.

Genau das mag ich an Madeira. Ich fühle mich hier als Gast unter Madeirensern. Die Insel zeigt sich Besuchern gern – und bleibt dabei erkennbar sie selbst. Hinter den Bildern von Blumenfest und Karneval steckt außerdem jede Menge Arbeit. Irgendjemand baut die Wagen, näht die Kostüme, pflegt die Blumen, bezieht die Hotelbetten und versorgt die passenden Futterstellen dazu. Wenn ich die Kamera absetze, denke ich oft gerade an diese Menschen.

Vielleicht ist das die schönste Wirkung der Autonomie: Madeira kann seine Eigenheiten selbstbewusst zeigen und über seine Zukunft mitentscheiden. Die goldene „50“ auf dem Karnevalswagen war nach ein paar Minuten an mir vorbeigezogen. Die Frage, was die Insel aus den nächsten 50 Jahren macht, bleibt. Ich werde sie weiter mit der Kamera begleiten.
Wappen der autonomen Inselgruppe Madeira

Jubiläumstermine in 2026

Termin Veranstaltung
Bis 31. Oktober Die mit dem Jubiläum verbundene Wanderausstellung (IN)FLUXO ist in der Ausstellungshalle der Stadtversammlung von Porto Santo zu sehen. (cultura.madeira.gov.pt)
3.–4. Oktober Segelregatta „Torneio Velamadeira / 50 Anos de Autonomia“ vor Funchal. (Associação Regional de Vela da Madeira)
6.–8. Oktober Eine Madeira-Woche im portugiesischen Parlament in Lissabon mit Ausstellung, Büchern und Konferenz ist vorgesehen; das Detailprogramm war zuletzt noch in Arbeit. (RTP Madeira)
Oktober/November Der regionale Kunsthandwerkspreis steht unter „Autonomia – 50 anos de história“; die Preisvergabe ist für 13. November geplant. (madeira.gov.pt)
Weitere Informationen dazu auf der offiziellen Jubiläumsseite der Regierung (auf portugiesisch)

Eine Tanzgruppe, die es auf den Punkt bringt und die Herzen aller erreicht

Als letzte Gruppe des ersten Blumenfestumzugs 2026 am 3. Mai füllte Nuvem D’Afectos (Wolke der Gefühle) noch einmal die Straße: mit Tänzerinnen und Tänzern, einem eigenen blumengeschmückten Wagen und Kindern, die bereits dazugehören. Manche tanzten mit, andere fuhren auf dem Wagen die rund 2,5 Kilometer lange Strecke entlang. Auf meinen Fotos glänzt der Asphalt vom Regen. Die Gesichter strahlen trotzdem.

Was am Straßenrand so mühelos aussieht, bedeutet hinter den Kulissen eine Menge Arbeit. Drei unterschiedliche Kostüme wurden von Hand geschneidert und für jede Tänzerin angepasst. Die weiten Röcke bekommen beim Tanzen ein Eigenleben; Blumen, Farben und Details machen aus jeder Bewegung ein neues Bild. Dabei ist die Gruppe so vielfältig wie Madeira selbst: verschiedene Generationen, verschiedene Figuren, jede Menge Freude. Für Nuvem D’Afectos braucht man offenbar keine Modelmaße. Die wichtigste Voraussetzung ist Lust aufs Tanzen.

Und dann dieses Lied. Luís Abreu hat als Komponist mit seinem Text zu „Futuro em Flor“ Worte für das gefunden, was die Gruppe auf die Straße bringt: Liebe zur Insel, Zusammenhalt und eine Zukunft, die gemeinsam wachsen darf. João und Beatriz Abreu singen es – doch an diesem Nachmittag kamen viele Stimmen vom Straßenrand dazu. Die Madeirenser sangen begeistert mit, fast wie bei einer Hymne auf ihre Insel und 50 Jahre Autonomie.

Als der Wagen längst vorbeigezogen war und das Aufräumen begann, lief das Lied gefühlt noch zehnmal. Irgendwann konnte vermutlich selbst jeder Tourist den Refrain mitsingen. Ich blieb mit meiner Kamera stehen.

Ich habe in meinem Fotografenleben viele hübsche Frauen und professionelle Models fotografiert. Doch die Madeirenserinnen in ihren eigens für sie gefertigten Kleidern so ausgelassen tanzen und aus vollem Herzen singen zu sehen, war für mich etwas Besonderes. Diese Freude hätte ich mit keinem Studiolicht der Welt erzeugen können. In solchen Momenten weiß ich wieder, warum ich hier bin: Ich darf diese herzliche Insel und die Menschen, die sie lieben, mit meinen Bildern beschreiben.

Nuvem D’Afectos - Wolke der Gefühle

Tanzgruppe Nuvem D’Afectos beim Blumenfest
Wagen der Tanzgruppe Nuvem D’Afectos beim Blumenfest

Ein Lied als Hymne zur Autonomie Madeiras von Luís Abreu

Eine Zukunft in Blüte

Ich öffne das Fenster und sehe die Sonne strahlen.
Unsere Insel ist singend erwacht.

Von den Wurzeln an haben wir mit viel Liebe
unseren Weg gepflegt und bewässert.

Was einst ein Traum war, ist heute Wirklichkeit.
Unser Madeira ist etwas Besonderes.

Seht die Farben, spürt die Freude:
50 Jahre voller Licht und Harmonie.
Hand in Hand, mit sicheren Schritten –
Zuneigung säen und Zukunft ernten.

Refrain:
Lasst uns für Madeira singen,
für 50 Jahre strahlende Autonomie.
Bei Nuvem D’Afectos ist die Liebe der Antrieb;
in diesem Garten verbreiten wir Farbe.

Heute ist die Gegenwart eine Welt voller Farben.
Alles, was wir tun, tun wir mit viel Liebe.

Gemeinsam sind wir gewachsen, fest verbunden.

Wir tragen die Insel in unseren Herzen.
Und Nuvem D’Afectos verbreitet wie ein Ballon
ein Lächeln in der ganzen Region.

Gestern ein Samenkorn, heute ein Garten.
Unsere Geschichte hat kein Ende.

Voller Freude zeigen wir, wer wir sind –
voller Stolz auf den Boden unserer Geschichte. [sinngemäß]

Der Rock wirbelt, die Blume schwingt.
Unser Madeira ist eine Hymne an die Liebe.

Zuneigung säen und später ernten. [sinngemäß]
Nuvem D’Afectos.
Attraktive Tänzerinnen Tanzgruppe Nuvem D’Afectos
Blumenfest Madeira mit Tanzgruppe Nuvem D’Afectos

WIE schaut es WO auf Madeira und Porto Santo aus?

Madeira mit eigenen Augen erleben

Als Fotograf auf Madeira will ich mit meinen Bildern und Berichten die schönen Orte der Blumeninsel Madeira aufzeigen. Auch ist mir wichtig, besondere Menschen, ausgefallene Landschaften und schöne Erlebnisse Madeira Interessierten näher bringen, die diese Insel für mich so einzigartig und liebenswert machen!

Um individuell passende Hotels, Pauschalreisen, Flüge, Golfreisen und Mietwagen rund um Madeira anbieten zu können, nutze ich das Buchungssystem meines Partners Travianet – eines renommierten deutschen Reisebüros, das wie ich auch seit 1998 im Tourismus aktiv ist. Das erfahrene und geschulte Serviceteam ist an 365 Tagen im Jahr erreichbar und bietet Reiseangebote von mehr als 120 namhaften Veranstaltern, Reedereien und weiteren Reiseanbietern. So verbinden sich meine persönliche Madeira-Erfahrung, eine umfassende Reiseauswahl und professionelle Buchungsbetreuung.
Eine Buchung über die auf meinen Seiten eingebundenen Angebote unterstützt zugleich meine fotografische und redaktionelle Arbeit. Für erfolgreich abgeschlossene Buchungen erhalte ich vom jeweiligen Affiliate-Partner eine Vergütung. Der jeweils angezeigte Preis wird dadurch nicht erhöht.

Jede Buchung trägt zur Entstehung weiterer unabhängiger Fotoreportagen über Madeira bei und bedeutet zugleich eine wertvolle Anerkennung meiner Arbeit.

Dafür danke ich von Herzen ❤️
Fotograf auf Madeira und Herausgeber
Stefan Kapust
www.madeira.photo